Deutschlands Schulleiterinnen und Schulleiter treffen sich
Deutschlands Schulleiter treffen sich am 16. und 17. März 2012 in Düsseldorf, um die Schule von morgen zu gestalten. Seien Sie dabei, wenn unsere Schulen in Führung gehen!
GigS - Ganztagsberufsschule in der gesunden Schule
GigS am Berufskolleg Bocholt-West
Von den etwa 110.000 Einwohnern des südlichen Kreises Borken besuchen derzeit rund 2.100 das gewerblich technische Berufskolleg Bocholt-West. 53 von ihnen sind werdende Tischlerinnen und Tischler, die von den 78 Betrieben der Region ausgebildet werden. Im Jahr 1996 waren es noch 96 Auszubildende, die sich auf 87 Betriebe verteilten.
Darin liegt bereits einer der Gründe, des Berufskollegs Bocholt-West, sich mit zwei Tischler-Klassen am Modellversuch zu beteiligen. Neben einer Steigerung der Ausbildungsbereitschaft der Betriebe erhoffen sich die Verantwortlichen Innovationen im Bereich der Lernorganisation an der Schule. Insbesondere zielt das Interesse von Schulleiter Ulrich Kirchner und Bildungsgangleiter Wolfgang Braß auf eine Übertragung der Versuchergebnisse auf Vollzeit- und Bezirksfachklassen. Die beiden derzeitigen GigS-Klassen besuchen 41 angehende Tischler und eine Tischlerin.
Der 10-stündige Unterrichtstag beginnt am Berufskolleg-Bocholt-West um 7.15 Uhr und endet um 15.45 Uhr. Dazwischen liegen eine dreiviertelstündige Mittagspause und weitere „organisierte Pausen“ im normalen Pausenzyklus der Schule. Die didaktische Konzeption orientiert sich am Lehrplan der Tischlerinnen und Tischler und folgt dem Lernfeldkonzept. Insbesondere im Nachmittagsbereich erfolgt der Unterricht in aufbereiteten, praktischen Lernsituationen die die Auszubildenden aus ihrem Arbeitsleben kennen.
Neben regelmäßigen Bewegungspausen im Unterricht erfolgen 14-tägig zwei Stunden Unterricht im Fach Sport/Gesundheitserziehung. Neben den normalen Unterrichtsinhalten lernen die Schülerinnen und Schüler die Bewegungsübungen für die „organisierten Pausen“ kennen. Die Bewegungspausen umfassen außer diesen Bewegungsübungen auch Entspannungsübungen, welche die Schülerinnen und Schüler gemeinsam im Klassenraum als auch einzeln in Nebenräumen durchführen können.
In den Pausen werden außerdem vermehrt Bewegungsangebote wie Jonglage und Speed Stacking (Sportstapeln) nach dem Mittagessen angeboten. Aus dem Angebot verschiedener Sitzgelegenheiten, erweitert beispielsweise um Sitzbälle oder bewegliche Stuhlauflagen, wählten die Schülerinnen und Schüler allerdings nach wie vor vornehmlich normale Stühle.
Im Rahmen des Modellversuchs unterstützt das Berufskolleg Bocholt-West seine Tischlerinnen und Tischler bei der Entwicklung und Stärkung eines gesundheitsorientierten Ernähungsverhaltens. Grundsätzlich gilt hinsichtlich der Ernährung der Schülerinnen und Schüler das Prinzip der Eigenversorgung durch die Kochklasse im Berufsorientierungsjahr. In den Blockunterrichtsphasen im Januar und Februar erfolgt eine Fremdversorgung durch ein externes Unternehmen. Ein besonderes Merkmal des Ernährungskonzepts am Berufskolleg Bocholt-West ist die Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler, die zum Tagesgericht „Beipackzettel“ gestalten, in dem die Jugendlichen beispielsweise über den Jodgehalt in Fisch informiert werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das „Trinken im Unterricht“. So soll jede Schülerin und jeder Schüler mindestens 2 Liter Mineralwasser pro Unterrichtstag zu sich nehmen.
Die ersten Erfahrungen am Berufskolleg Bocholt West sind überwiegend positiv. So sei der Zusammenhalt der unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen deutlich gewachsen, was auch auf den größeren Bedarf an Absprachen und Konferenzen zurückzuführen sei. Die Jugendlichen betrachteten die neue Unterrichtsform mittlerweile als normal. Ebenso wie die Lehrkräfte formulieren sie ein „positives Lernklima“. Auch der Dialog mit den Betrieben habe sich durch GigS verbessert. Immer wieder betonen die Beteiligten die Wichtigkeit des gemeinsamen Mittagessens, das sich zu einem „Top-Ereignis“ des Schultags entwickelt habe. Insbesondere die Kochklasse sei "über sich hinausgewachsen".
Die entspannte Atmosphäre ermögliche dabei einen intensiven Informationsaustausch zwischen Schülerinen und Schülern einerseits sowie Lehrerinnen und Lehrern andererseits, der auch die persönliche Ebene umfasse. Auch der Austausch der Lehrkräfte sei durch das Mittagessen zusätzlich verbessert.
Ein Leistungsabfall bei den Schülerinnen und Schülern sei nicht zu erkennen und viele Elemente des Konzepts seien auch für den „normalen“ Unterricht wünschenswert.
Weitere Informationen zu GigS am Berufskolleg Bocholt-West
Der 5. Fachkongress der Dortmunder Akademie für pädagogische Führungskräfte (DAPF) findet am 12. Mai 2012 unter dem Titel "Handwerkszeug für Schulleitung" statt.
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